Ich kann den Ausgangsbeitrag jedenfalls für einen Mach-E RWD Extrended range nicht nachvollziehen.
Ich hatte meinen kurz vor Weihnachten 2025 neu übernommen und dann ein paar Tage später bei Temperaturen rund um den Gefrierpunkt (+2 bis -4°C) eine 600km-Autobahnfahrt angetreten.
Es war (ist) mein erstes E-Auto, damals war ich noch ein kompletter E-Auto-Idiot und mit fast allem überfordert. (was sich dann überraschend schnell änderte)
Trotz meiner damaligen Unkenntnnis und Überforderung bin ich schon auf dieser ersten 600km Winter-Langstrecke mit nur einem Ladestopp gut durchgekommen. Mein Navi hatte mit 2 Stopps geplant, was grob eine Drittelung der Strecke ergab und -wie ich im Nachhinein merkte- nicht langsamer gewesen wäre, weil zweimal auf den jeweils benötigten Stand unterhalb 80% laden schneller geht, als einmal bis auf 95%.
Ich hatte vor der Abfahrt nur auf 90% geladen (jetzt würde ich zu Hause mit AC auf 95% laden) und hatte während der Fahrt gesehen, dass ich mit etwas reduzierter Geschwindigkeit (vorher immer Blue Cruise mit Tempomat 80mph = 128km/h eingestellt) noch eine mir von früheren Fahrten auf der gleichen Strecke bekannte Rastanlage auf der BAB erreiche, die fast genau auf der Hälfte der Strecke liegt und wo es wie ich vorher geschaut hatte viele Ladesäulen und Gastronomie gab. Tempo also schrittweise am Ende (letzte 5 km) bis auf 104km/h zurück genommen und mit 3% (Anzeige 9km Reichweite) an der Ladesäule angekommen, dort mit DC-Schnelllader auf 95% aufgeladen, die Zeit für 2x auf Klo gehen und ein Frühstück genutzt und dann entspannt weiter gefahren.
Trotz durchgängig mit Blue-cruise-gesteuerten 128km/h bin ich dann auf der 2. Etappe mit 11% Restreichweite am Ziel angekommen; die insgesamte Fahrtzeit war NICHT außergewöhnlich lang, aber trotz meines natürlichen Alterungsprozesses war es meine mit Abstand entspannteste Fahrt in den letzten 40 Jahren auf dieser von mir sehr häufig gefahrenen Langstrecke.
Was ich damit sagen will:
e-Auto fahren ist eine etwas andere Welt, auf die man sich einlassen muss. Wer das tut, der/dem wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die Umstellung schnell gelingen und der wird mit ebenso hoher Wahrscheinlichkeit 1 Jahr später zurück blicken und nicht mehr verstehen, warum er/sie sich vorher so viele Problem-Gedanken gemacht hat.
Wer sich nur ein wenig Erfahrung angeeignet hat weiß, dass die Reichweite im Winter drastisch sinkt und das speziell im Winter die Werbe-Reichweiten oft "für die Tonne" sind. Mit einer guten Navi-Software, die die Ladestopps integriert berechnet, ist das alles überhaupt kein Problem. Auch eine Wärmepumpe und eine gut funktionierende Batterie-Temperierung hilft. Und manchmal kann man, selbst als Anfänger wie in meinem Beispiel, manuell nachsteuern.
Wenn ich auf der nächsten Fahrt zu Weihnachten auf dieser Langstrecke unbedingt deutlich schneller sein will und die Vorhersagen eine dafür geeignete Verkehrssituation (keine Unfälle, keine Staus, wenig Baustellen) vorher sagen, dann plane ich 2 Stopps ein und kann dafür dann mit Tempomat 150 fahren. Oder wieder nur 130km/h und dafür 2x Ladezeit sparen. Viel schnelleres Tempo garantiert bei der üblichen Verkehrsdichte um diese Zeit ohnehin selten eine kürzere Reisezeit.
Bei Fahrzeugen mit kleinerer Batterie und geringerem Verbrauch wird das ähnlich sein.
Noch was: Vor meinem Kauf hatte ein bekannter, erfahrener E-Auto Fahrer mir zur Winterreichweite seine Faustformel verraten: "Bei max. 130km/h rechne auf BAB-Fahrten im Winter mit der Hälfte der vom Autohersteller angegebenen WLTP-Reichweite."
Das kam wundersamer Weise bei meinem Auto auf dieser ersten Winter-Langstreckenfahrt gut hin. Wenn man sowas vorher weiß, geht das Planen solcher Fahrten sehr schnell, mühelos und zuverlässig.
Ich verstehe daher das Problem nicht mehr. Aber ich erinnere mich daran, dass ich vor zirka 1 Jahr, also kurz vor dem Kauf des E-Autos, genau solche unbegründeten Angst-Szenarien im Kopf durchgespielt habe.
Heute sehe ich das so, dass das E-Auto im Winter und bei Tempi über 130km/h Nachteile gegenüber guten Verbrennern hat, aber dafür eben im Sommer, im Stadtverkehr und auch im legal-schnellen Überlandverkehr eindeutige Vorteile. Und diese Vor- oder Nachteile jeweils KEIN wirksames Argument für oder gegen die betreffende Antriebsart sind.
Das sind Dinge wie Komfort, Ermüdung auf Langstrecken und die Energiekosten. In all diesen Punkten liegt das E-Auto zu meiner eigenen Überraschung eindeutig vorn.
Dazu kommen die Umweltaspekte.Man stelle sich nur mal vor, wieviel besser die Luft- und die Wohnqualität (viel weniger Lärm und Dreck) in Städten heute SOFORT wäre, wenn wir statt 23% E-Auto-Neuzulassungen einen Wert wie in Norwegen von 82% hätten. Und wieviel besser es dann 10 Jahre später erst wäre.
Auch bei Punkten wie Batterielebensdauer oder Service-Kosten sind die meisten Bedenken von Verbrenner-Fahrern, die sich ein Umsteigen überlegen unbegründet. Jeweils bei Tesla und Ford (andere wahrscheinlich auch) ist es so, dass Fahrer, die die wenigen elementaren Dinge beachten, speziell ab Baujahren nach 2020 auf eine sehr lange Batterielebensdauer vertrauen können. Bei diesen Herstellern wird man innerhalb von 8 Jahren/160.000km so gut wie nie die Garantie bemühen müssen. Wahrscheinlich halten die Batterien bei halbwegs guter Behandlung sogar viel länger. Und mittlerweile gibt es mehrere Betriebe, die nachlassende bzw. defekte Batterien von Grund auf zu erträglichen Preisen überholen. Jedenfalls nicht schlimmer als Motor- und Getriebeschäden bei Verbrennern kosten.
Hinzu kommen eindeutige Vorteile der E-Autos bei den Wartungskosten und insgesamt eine kürzere Wartungsliste.
Zurück zu Winterfahrten: Beim Denken an hohes Tempo im Winter zucke ich mit den Schultern und denke mir "man bekommt im Leben selten alles auf einmal ohne Nachteile" und plane die nächste Fahrt. Wichtig: Die Unterschiede zwischen Verbrenner und E-Auto sind in der Alltagspraxis viel geringer, als vorher gedacht.
Mit einer Ausnahme: Die Kosten beim Tanken sind sehr viel höher, als die beim Aufladen.
Praktisches Beispiel: Einmal von 10-80% Aufladen entspricht bei meinem Mach-E rund 62,2kwh und damit einem typischen Volltanken. Ich zahle dafür an der heimischen Wallbox aufgerundet 16,14 Euro. Beim Fremdladen in der Nähe meiner Behausung rund 30,48 Euro.
Bei meinem Verbrenner, der 100 Oktan-Saft trinken möchte, wäre einmal volltanken (60 Liter) derzeit rund 149,40 Euro. Bei Super 95 wären es immer noch rund 132,20 Euro.