Zitat von Waldemar
Ich habe gerade gelesen, dass BMW erneut Fördermittel für die Erforschung der Wasserstofftechnologie für Autos erhält. Kannst du mir sagen, wie viele Fördermittel BMW in den letzten 25 Jahren für die Entwicklung und Erforschung wasserstoffbetriebener Autos bereits vom Staat erhalten hat?
Originalbeitrag
Aktuelle Förderung von 273 Millionen Euro
Ja, die Meldung ist brandaktuell (vom 14. November 2025): Der Bund und der Freistaat Bayern fördern das BMW-Projekt HyPowerDrive im Rahmen des europäischen IPCEI-Programms (Important Project of Common European Interest) für Wasserstoff mit insgesamt 273 Millionen Euro. Ziel ist die Entwicklung eines serienreifen Brennstoffzellen-Antriebsstrangs der nächsten Generation, den BMW ab 2028 in Fahrzeugen einsetzen will (vermutlich zunächst in einer Kleinserie oder als Option neben BEV).
Gesamtförderung der letzten 25 Jahre (2000–2025)
Eine exakte, offiziell aggregierte Gesamtsumme aller staatlichen Fördermittel, die BMW in den letzten 25 Jahren speziell für wasserstoffbetriebene Pkw erhalten hat, ist öffentlich nicht verfügbar – weder vom BMWK noch von BMW selbst wird eine vollständige Historie mit Summen veröffentlicht.
Was sich aber rekonstruieren lässt:
- BMW forscht seit den 1970er Jahren an Wasserstoff (zuerst Verbrennung, seit ca. 2000 verstärkt Brennstoffzelle), erhielt aber in den 2000er und 2010er Jahren eher kleinere Förderungen im Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP) und diverser Forschungsprojekte – meist im ein- bis niedrigen zweistelligen Millionenbereich pro Projekt.
- Größere Beträge flossen erst ab ca. 2021/2022 im Rahmen der IPCEI-Wellen für Wasserstoff. BMW war an mehreren IPCEI-Projekten beteiligt (z. B. Hy2Move 2024 genehmigt), war aber oft der einzige oder einer der wenigen Autohersteller, der Förderung für die Mobilitätsanwendung (also Pkw/Lkw) bekam.
- Die jetzt bewilligten 273 Millionen Euro sind mit Abstand der größte bekannte Einzelbetrag für BMW in diesem Bereich.
Schätzungen aus Medien und Kritiker-Seite gehen von insgesamt mehreren hundert Millionen Euro staatlicher Mittel seit 2000 aus (wenn man NIP, BMWK-Projekte, bayerische Landesförderung und EU/IPCEI zusammennimmt), aber eine verlässliche Zahl > 500–700 Mio. € lässt sich aus öffentlichen Quellen nicht belegen – es bleibt Stückwerk.
Grenzt das an „stumpfes Abgreifen von Fördergeldern“?
Das ist eine politische und stark meinungsgetriebene Frage – es gibt beide Lager:
Kritische Stimmen (häufig von Steuerzahlerbund, Teilen der Grünen, manchen Wirtschaftswissenschaftlern):
- Wasserstoff-Pkw gelten als technisch ineffizient (Wirkungsgradkette ca. 25–30 % vs. > 70 % bei BEV) und teuer → trotz Jahrzehnte Subventionen (nicht nur BMW, sondern die gesamte Branche) gibt es weltweit nur wenige tausend Serien-Fahrzeuge (Toyota Mirai, Hyundai Nexo, BMW iX5-Pilotflotte).
- Der Bund der Steuerzahler nennt Förderung von H₂-Pkw bereits seit Jahren „sinnlos“ und fordert ein sofortiges Ende, weil das Geld besser in Batterietechnologie oder Netzausbau fließen sollte.
- Es wird argumentiert, dass BMW (und früher auch Daimler) immer wieder Fördermittel abrufen, obwohl sie gleichzeitig Milliarden in Batterieautos investieren und Wasserstoff eher als „Plan B“ oder PR-Instrument nutzen.
Verteidigung (BMW, Teile der Politik – vor allem Union und FDP –, Wasserstoff-Befürworter):
- BMW betont Technologieoffenheit: Man will nicht alles auf Batterie setzen (Reichweitenangst, Rohstoffabhängigkeit, Ladeinfrastruktur-Probleme). Wasserstoff könne in bestimmten Segmenten (Langstrecke, schwere Fahrzeuge, Flotten) sinnvoll sein.
- Die Förderung ist kein „Geschenk“, sondern ein IPCEI-Projekt mit strengen Auflagen, Meilensteinen und Eigenanteil (BMW investiert selbst deutlich mehr als die 273 Mio.).
- BMW ist einer der wenigen Hersteller, die noch ernsthaft an Pkw-Brennstoffzelle arbeiten – Toyota und Hyundai sind die anderen, aber die bekommen in ihren Heimatländern ebenfalls massive Subventionen.
Fazit aus meiner Sicht (basierend auf den verfügbaren Fakten):
Es ist kein „stumpfes Abgreifen“ im Sinne von Betrug oder Missbrauch – die Förderungen laufen über transparente EU- und nationale Verfahren mit klaren Zielen.
Allerdings ist die Erfolgsbilanz von Wasserstoff-Pkw nach 25+ Jahren und Milliarden Subventionen (nicht nur bei BMW) objektiv ernüchternd: Kaum Markt, kaum Infrastruktur, hohe Kosten. Ob die neuen 273 Mio. das ändern, bleibt abzuwarten – 2028 soll die erste Serie kommen. Viele Experten halten Wasserstoff im Pkw-Bereich für eine Sackgasse und sehen die Förderung als politisch motivierten Kompromiss (Technologieoffenheit, Arbeitsplätze in Bayern etc.).
Falls du tiefere Details zu einzelnen früheren Projekten oder Quellen willst, lass es mich wissen – ich kann gezielt weitergraben.